Wichtig und erfolgreich: Therapie bei einer bipolaren Störung

Jeder Mensch unterliegt Stimmungsschwankungen - im Laufe eines einzelnen Tages und im Verlauf eines gesamten Lebens. Bei einer bipolaren Störung sind die Stimmungsschwankungen aber deutlich ausgeprägter und beeinflussen das eigene Wohlbefinden, den Alltag und den sozialen Umgang mit anderen Menschen erheblich. Dabei ist vielen Betroffenen gar nicht bewusst, dass sie unter einer Erkrankung leiden. Sie halten vielmehr die wechselnden Stimmungen für einen Teil ihrer Persönlichkeit, für ein Kennzeichen ihres Charakters. Dabei ist der Leidensdruck immens und könnte doch mit einer gezielten Therapie für die bipolare Störung stark gelindert werden.

Eine frühe Diagnose und eine entsprechend früh begonnene Therapie helfen dabei, die belastenden Episoden, die die Betroffenen durchleben, hinauszuzögern oder diese ganz zu verhindern. Moderne Behandlungsformen sind im Fall der bipolaren Störung äußerst wirkungsvoll und bekämpfen die Symptome, wodurch sich die Lebensqualität der Betroffenen entscheidend bessert. Was die Therapie nicht bekämpfen kann, sind die Ursachen der Krankheit. Es handelt sich bei der bipolaren Störung nämlich um eine komplexe Erkrankung oder Störung des Gehirns, die chronisch ist und demzufolge nach einer lebenslangen Behandlung verlangt.

Anzeichen und Diagnose der Bipolarität

Betroffene einer bipolaren Erkrankung schwanken zwischen zwei Polen, zwischen zwei gegensätzlichen Gefühlswelten. Während manischer Phasen erleben sie ein Hochgefühl - manchmal in übersteigerter Form - und sie sind sehr aktiv. Bei einigen führt die “Hochphase” auch zur Gereiztheit. Die manischen Phasen werden dabei irgendwann von einer depressiven Phase abgelöst. Dazwischen kann auch eine vergleichsweise ausgeglichene Phase liegen. Bei einigen Erkrankten wird zunächst eine “unipolare” Depression diagnostiziert - so lange bis klar wird, dass der Betroffene auch manische Phasen durchlebt. Diese können allerdings auch sehr milde ausfallen (man spricht dann von einer “Hypomanie”), so dass die manische Phase gar nicht als solche wahrgenommen und erkannt wird. Ein Teil der betroffenen Menschen erlebt zudem gemischte Phasen, in denen Symptome beider Gefühlszustände auftreten. Eine schwere Form der bipolaren Störung geht einher mit psychotischen Symptomen, etwa mit Wahrnehmungsstörungen, Wahnvorstellungen und Halluzinationen. Von dieser Form der bipolaren Störung ist jedoch nur ein sehr kleiner Teil der Erkrankten betroffen.

2 gegensätzliche bilder - symbolisch bipolar

Anzeichen für eine bipolare Störung liegen vor, wenn die manischen Phasen gekennzeichnet sind von:

  • emotionaler Erregung zwischen Euphorie oder Gereiztheit und Misstrauen
  • Beschleunigung des Denkens, der Sprache, der Motorik und des Handelns
  • hoher Risikobereitschaft (etwa im Beruf oder auch privat, was nicht selten zu Verschuldungen führt, da Betroffene große Projekte initiieren oder etwa in einen Kaufrausch verfallen)
  • vermehrtem Kontaktbedürfnis und Abbau sozialer Hemmungen (was zu erhöhter Promiskuität führen kann)
  • gesteigerter Libido
  • erhöhter Impulsivität
  • erhöhter Aggressivität
  • Beschäftigungsdrang und Energieüberschuss
  • erhöhter Kreativität
  • vermindertem Schlafbedürfnis (Betroffene schlafen oft nur noch 4 oder 5 Stunden in der Nacht und fühlen sich dennoch nicht müde)
  • gesteigertem Selbstbewusstsein, überhöhter Vorstellung von der eigenen Leistung oder dem eigenen sozialen Status

Anzeichen für eine bipolare Störung liegen vor, wenn die depressiven Phasen gekennzeichnet sind von:

  • niedergedrückter Stimmung und Schwermut, Angst, Pessimismus
  • Fehlen von Emotionen, subjektivem Gefühl der “Gefühllosigkeit”
  • Verlangsamung des Denkens, der Sprache, der Motorik und des Handelns
  • Rückzugsverhalten
  • Verlust von Interessen und Motivation
  • Antriebslosigkeit, verminderter Vitalität, Verlust der Libido
  • Ideenlosigkeit, Konzentrationsstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen
  • vermehrtem Schlafbedürfnis, Morgentief und Gefühl der Unausgeruhtheit oder Schlafstörungen und Früherwachen
  • Selbstzweifel, Insuffizienzgefühlen, Schuldgefühlen
  • u.U. Lebensüberdruss und Selbstmordgedanken

Wie oben bereits erwähnt, ist es sehr wichtig, sich schnell Hilfe zu holen und möglichst frühzeitig eine Behandlung der bipolaren Störung zu beginnen. Leider wird dies oft in manischen oder in schwach manischen Phasen (hypomanischen Phasen) nicht als notwendig angesehen, da die Betroffenen sich äußerst wohl fühlen und kein Problembewusstsein entwickeln - verständlicherweise. Werden manische oder hypomanische Menschen von anderen auf ihre auffällige Stimmungslage angesprochen, reagieren sie sogar teilweise aggressiv und mit Unverständnis. Allerdings folgt bei der bipolaren Störung auf eine “gute” Phase unweigerlich eine Phase der Depression mit teilweise drastischen Folgen. Dies kann bei rechtzeitiger Therapie verhindert oder abgemildert werden.

Man unterscheidet:

Bipolar-I-Störung:

  • 1 bis 2 Prozent der Bevölkerung leiden darunter. Bei dieser Form der bipolaren Störung dauert die depressive Phase mindestens 14 Tage und die manische Phase mindestens 7 Tage. Die manische Phase ist deutlich ausgeprägt.

Bipolar-II-Störung:

  • 2 bis 4 Prozent der Bevölkerung leiden unter dieser Form der bipolaren Störung. Die manische Phase ist in ihren Symptomen weniger stark ausgeprägt, also eine sogenannte hypomanische Phase (die viele Betroffenen gar nicht als solche erkennen). Sie dauert mindestens 4 Tage.

Rapid Cycling

  • 15 bis 20 Prozent der Betroffenen einer bipolaren Störung weisen die Form des “Rapid Cycling” auf. Frauen sind davon etwas häufiger betroffen als Männer. In diesen Fällen wechseln sich die verschiedenen Episoden häufig ab und Betroffene erleiden innerhalb von 12 Monaten mindestens vier der verschiedenen Phasen (Manie, Hypomanie, Depression und gemischte Phasen). Bei vielen entwickelt sich die erhöhte Frequenz erst im Verlauf des Lebens.

Therapie bei bipolarer Störung: Kombination von Medikamentation und Psychotherapie

Da die bipolare Störung eine chronische Erkrankung ist, muss die Therapie und Behandlung lebenslang erfolgen. Dann können Betroffene ihre Lebensqualität deutlich verbessern und die Krankheitsepisoden hinauszögern oder ganz verhindern. Wer hingegen die Behandlung der bipolaren Störung in einer “guten” Phase unterbricht, läuft Gefahr, die Krankheit, ihren Verlauf und die Symptome zu verschlimmern. Therapeuten unterscheiden verschiedene Formen der Behandlung:

Akut-Therapie:

  • Die Akut-Therapie wird angewendet, wenn sich ein Patient in einer akuten Krankheitsphase befindet. Sie erfolgt so lange, bis sich die Symptome deutlich bessern. Je nachdem, welche Symptome wie stark auftreten, besteht die Therapie aus einer Kombination von medikamentösen und nicht-medikamentösen Behandlungen.

Erhaltungs-Therapie

  • An die Akut-Therapie schließt sich eine Erhaltungs-Therapie an. Mit ihrer Hilfe soll sich der Zustand des Patienten stabilisieren. Auch für die Erhaltungs-Therapie empfiehlt sich eine Kombination von Medikamenten und Psychotherapie.

Rückfall-Prophylaxe

  • Wenn sich die emotionale Lage des Betroffenen verbessert, soll diese Form der Therapie verhindern, dass es langfristig zu einem Rückfall kommt. Je nachdem, wie schnell sich die verschiedenen Episoden der bipolaren Störung abwechseln und wie viele dieser Episoden der Patient bereits durchlebt hat, entscheidet der Therapeut darüber, ob dauerhaft Medikamente eingenommen werden müssen oder nicht.

Medikamentöse Therapie der bipolaren Störung

Die bipolare Störung verläuft bei jedem Betroffenen höchst individuell und erfordert demzufolge auch eine individuelle Medikamentation. Hauptsächlich werden drei Gruppen von Medikamenten eingesetzt: Stimmungstabilisierer, Antidepressiva und atypische Antipsychotika. Die Medikamente entfalten ihre Wirkung immer erst nach mehreren Wochen und dürfen nicht zwischenzeitlich abgesetzt oder unregelmäßig eingenommen werden.

Stimmungsstabilisierer werden in allen drei der oben genannten Therapieformen angewendet. Zu ihnen gehören Lithium und Antikonvulsive wie Valproat, Lamotrigin und Carbamazepin.

In der Akut-Therapie bei depressiven Phasen werden oft Antidepressiva in Verbindung mit Quetiapin angewendet. Betrifft die Akut-Therapie die Behandlung einer manischen Phase, setzen Fachärzte für Neurologie und Psychiatrie häufig Stimmungsstabilisierer in Verbindung mit atypischen Antipsychotika ein, beispielsweise mit Risperidon, Olanzapin oder Aripiprazol.

Wer unter Unruhe, Angstzuständen oder aggressiven Impulsen leidet, erhält vom Arzt unter Umständen Sedativa wie Diazepam, Lorazepam oder Alprazolam.

Psychotherapie: Erfolgreiche Behandlung und Ergänzung der Behandlung

In der Regel müssen bipolare Störungen medikamentös behandelt und von einer begleitenden Psychotherapie unterstützt und ergänzt werden. Die Psychotherapie alleine kann keine Alternative für die Behandlung der Patienten mit Medikamenten darstellen. Nichtsdestotrotz ist die Psychotherapie ein wichtiges Fundament für die Patienten und trägt maßgeblich zur Verbesserung ihrer Lebensqualität bei. Eine Behandlung, die nur auf Medikamente setzt, ist weit weniger sinnvoll - das haben Vergleiche und Studien dazu ergeben. In der Therapie lernt der Patient mit seiner Krankheit umzugehen. Patienten können durch die Psychotherapie besser mit ihrem Alltag und besonders belastenden Erfahrungen zurecht kommen. Sie verbessern ihre zwischenmenschlichen Beziehungen und beugen aktiv Rückfällen vor. Patienten gewinnen an Selbstsicherheit und Zuverlässigkeit. Für die Psychotherapie gilt das Gleiche wie für die medikamentöse Behandlung: Sie muss individuell auf den Patienten zugeschnitten sein. Als besonders wirksam haben sich die Verhaltenstherapie und die Familientherapie erwiesen. Zum Einsatz kommen begleitend Rhythmustherapie und Psychoedukation. Besonders hilfreich bei allen Therapieformen ist, wenn Familienangehörige oder Bezugspersonen einbezogen werden können. Ihre Hilfe und Unterstützung macht einen äußerst wichtigen Anteil am Erfolg der Therapie für bipolare Störungen aus.

licht und schatten: wie bipolar

Kognitive Verhaltenstherapie zur Behandlung der Patienten

Als hilfreich für die Therapie bipolarer Störungen hat sich die kognitive Verhaltenstherapie erwiesen. Als Psychotherapeut in Berlin erarbeite ich in der Verhaltenstherapie mit Ihnen zusammen, welche Faktoren zur Entstehung der Störung beigetragen haben und welche Risikofaktoren bei Ihnen die Auslösung manischer oder depressiver Zustände begünstigen. Unterstützung kann dabei auch ein “Stimmungstagebuch” bieten. In ihm halten Sie fest, welche Stimmungen Sie durchleben und im Rückblick und der Zusammenschau finden wir gemeinsam bestimmte Auslöser, Anzeichen und Warnsignale. Diese zu kennen, kann Ihnen helfen, aktiv neue Krankheitsepisoden zu verhindern. Wir analysieren typische Denkmuster und Verhaltensweisen und brechen diese auf, bevor sie bei Ihnen zu depressiven oder manischen Phasen führen. Zusammen können wir einen “Notfallplan” erarbeiten, an dem Sie sich in kritischen Situationen orientieren können, um neue Episoden zu vermeiden, zu mildern oder zu verzögern. In der kognitiven Verhaltenstherapie lernen Sie zudem, allgemeine psychische Fähigkeiten zu verbessern. So können Sie mit Hilfe der Therapie lernen, Konflikte und Stress besser zu bewältigen, ihre Gefühle und Bedürfnisse besser zu kommunizieren und mit Ihrer Erkrankung offener umzugehen.

Haben Sie den Verdacht, dass Sie oder ein Angehöriger unter einer bipolaren Störung leidet? Haben Sie Fragen zu Verfahren und Möglichkeiten oder zu meinen persönlichen psychotherapeutischen Therapieansätzen? Nehmen Sie Kontakt zu mir auf! Gerne können wir einen persönlichen Beratungstermin vereinbaren.