PTSD / PTBS: Die posttraumatische Belastungsstörung und ihre Facetten

Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) - mittlerweile international als PTSD bekannt (aus dem Englischen post-traumatic stress disorder) - ist eine psychische Erkrankung. Meist gehen der Krankheit eine oder mehrere im Leben einschneidende Ereignisse voraus, die ein sogenanntes psychisches Trauma erzeugen. Die Ursachen dafür sind vielfältig: PTSD kann entstehen, wenn einer Person selbst etwas Schlimmes widerfährt, aber auch, wenn jemand ein Ereignis katastrophalen Ausmaßes lediglich beobachtet. Die Symptomatik der PTSD umschließt erhöhte psychische Erregung und Sensitivität, unter anderem in Form von Schlafstörungen, Schreckhaftigkeit und Konzentrationsschwäche. Schwere Formen der Erkrankung lösen manchmal bestimmte Phänomene wie das “sprachlose Entsetzen” (speechless terror) oder die “Bombenneurose” (shell-shocked) aus.

PTSD - Frau am Strand

Die PTSD kann sich allerdings auch in Form einer Verdrängung oder krankhafter Ignoranz gegenüber den Ursachen manifestieren. Für viele PTSD-Erkrankte gibt es darüber hinaus bestimmte Auslöser, sogenannte Trigger, die an die katastrophale Ursache erinnern und die Symptome schlagartig hervorrufen. Ein einfaches Beispiel sind Kriegsveteranen, die sich an schreckliche Ereignisse zurückerinnern, sobald sie Kriegsszenen in einem Film sehen.

Auch wenn die posttraumatische Belastungsstörung meist einen chronischen Verlauf hat, lässt sie sich im Verlauf einer zielgerichteten Psychotherapie in der Regel gut behandeln. Viele Erkrankte erfahren durch eine professionelle psychotherapeutische Begleitung erhebliche Linderung bis zur vollständigen Heilung der Belastungssymptome und können wieder ein einigermaßen normales Leben führen. Die Therapie-Prognose nach einer PTBS-Diagnose ist also meist gut. Wie bei vielen psychischen Erkrankungen kann Betroffenen das soziale Umfeld (Unterstützung durch Freunde, Familie, Kollegen, Partner) enorm dabei helfen, die posttraumatische Belastungsstörung zu überwinden.

Traumafolgestörungen haben viele Gesichter und Ursachen

Es gibt sehr vielfältige Ursachen der posttraumatischen Belastungserkrankung. Das ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, wie viele schlimme Ereignisse tagtäglich Menschen widerfahren. PTSD ist auch keine neue Erscheinung unserer modernen Gesellschaft; vielmehr hat es die Erkrankung gegeben, seit Menschen existieren. Schriftstücke aus der Antike bezeugen mehrfach, wie Kriegsveteranen nach schrecklichen Ereignissen sprichwörtlich aus den Fugen gerieten. Nach dem großen Feuer von London im Jahr 1666, das nachts ausbrach, litten viele Betroffenen unter erheblichen Angst- und Schlafstörungen. Die als “Kriegszitterer” (Englisch: shell-shocked) bekannten Veteranen des 1. Weltkriegs brachten die posttraumatische Belastungsstörung unweigerlich ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Das charakteristische anhaltende Zittern an den Händen oder am ganzen Körper ist ein Indiz für eine schwerwiegende posttraumatische Belastungsstörung.

In unserer heutigen Gesellschaft erfährt ungefähr jeder zweite Mensch im Laufe seines Lebens ein einschneidendes Trauma. Allerdings führt nicht jedes katastrophale Ereignis zu einer posttraumatischen Erkrankung - hier haben Studien ergeben, dass etwa 8% der Traumata zu einer PTSD-Erkrankung führen. Diese Zahl steigt auf etwa 50% in bestimmten Risikogruppen, darunter Ärzte, Soldaten, Polizisten, Rettungskräfte und Geflüchtete. Posttraumatische Erkrankungen treten bei Frauen übrigens etwa doppelt so häufig auf wie bei Männern.

Zu den häufigen traumatischen Erlebnissen, die eine PTSD auslösen, gehören unter anderem:

  • Körperliche Gewalt (wiederholter Missbrauch und/oder ein gewalttätiger Angriff auf die eigene Person)
  • Sexualisierte Gewalt bzw. sexueller Missbrauch (Vergewaltigung, Nötigung, Belästigung), vor allem in der Kindheit
  • Psychische Gewalt (Mobbing, Diskriminierung, Rassismus, Sexismus, usw.)
  • Freiheitsberaubung (Entführung, Geiselnahme, Gefangenschaft (Kriegsgefangenschaft, politische Haft))
  • Naturkatastrophe (Erdbeben, Brand, Hurrikan, Überflutung)
  • Menschgemachte Katastrophe (Flugzeugabsturz, Verkehrsunfall, Massenpanik)
  • Erfahrung einer schlimmen Information (Diagnose einer schweren Krankheit, Trennungsabsicht des Partners, Tod eines Mitmenschen)

Grundsätzlich jede Ursache und jeder Auslöser kann auch zu PTSD führen, wenn lediglich beobachtet wird. Zum Beispiel, wenn jemand Zeuge eines schlimmen Verkehrsunfalls wird, die traumatische Situation eines Familienmitglieds beobachtet wird oder ein Soldat einen Kameraden im Gefecht verliert.

An dieser Stelle sei gesagt, dass viele der oben genannten Erlebnisse nicht zwangsläufig eine PTSD auslösen. Vor allem Trennungen, der Tod eines Mitmenschen oder Verkehrsunfälle ziehen meist allenfalls eine vorübergehende Anpassungsstörung nach sich. Die posttraumatische Belastungsstörung wird erst als solche erkannt, wenn sich die Hauptsymptome über einen Zeitraum von 6 Monaten chronifizieren. Leider wird der PTSD-Begriff in der Gesellschaft mittlerweile oberflächlich oder sogar spöttisch für fast alle posttraumatischen Effekte verwendet oder sogar selbst diagnostiziert. Dadurch verwässert der Begriff und verliert an Glaubwürdigkeit, was ich persönlich bedenklich finde. Für die ordentliche Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) bedarf es unbedingt einer Fachperson, für die Therapie einen geeigneten Psychotherapeuten.

PTSD Symptome - Frau im Stress

PTSD / PTBS: Häufige Symptome

Die posttraumatische Belastungsstörung ist eine extrem facettenreiche psychische Erkrankung, die eine Vielzahl von Symptomen auslösen kann. Im Folgenden die am meisten verbreiteten PTSD-Symptome nach der internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandten Gesundheitsproblemen (ICD-10):

  • Immer wiederkehrende Erinnerungen an das Trauma oder sogar das aufdrängende Wieder-Erleben desselbigen (in Form von Rückblenden/Flashbacks, Albträumen, plötzlich einschießende Bilder, Wahrnehmungen, Gedanken und Emotionen), häufig durch bestimmte Auslöser bzw. Trigger verursacht
  • Vermeidungsverhalten: Zwang, dem Wiedererleben des Traumas bzw. der Erinnerung an das Erlebte möglichst aus dem Weg zu gehen, bewusste Vermeidung bestimmter Trigger und von belastenden Situationen
  • Vollständige oder teilweise Amnesie: Die betroffene Person kann sich an das Trauma oder Teile des Erlebten schlicht nicht mehr erinnern
  • Körperliche Symptome bzw. Beschwerden aufgrund vegetativer Übererregung und erhöhter psychischer Sensitivität: Reizbarkeit, Schlafstörungen, Angstzustände, Konzentrationsstörungen, Paranoia, Schreckhaftigkeit, Zittern, erhöhte Wachsamkeit
  • Emotionale Taubheit: Verflachung der eigenen Gefühle und Interessen, Gefühl der Entfremdung gegenüber der Umwelt und Mitmenschen
  • Sozialer Rückzug: Isolationszwang, Widerstand gegen Menschenkontakt (Besuche, Anrufe, gemeinsame Aktivitäten) und/oder Vernachlässigung sozialer Beziehungen (Partner, Freunde, Familie)
PTSD - Menschliches Auge unter Stress

Begleiterkrankungen/Komorbiditäten einer posttraumatischen Stresserkrankung

PTSD/PTBS kommt relativ häufig in Wechselwirkung mit anderen psychischen und physischen Erkrankungen vor. In vielen Fällen kann man die PTSD als Ursache dieser Begleitkrankheiten identifizieren, manchmal sind alle beteiligten Syndrome Teil eines ganzen Krankheitsbilds (komplexe PTBS). Als häufige Komorbiditäten einer PTSD können auftreten: Depressionen, dissoziative Störungen (Störungen des Bewusstseins und der Wahrnehmung), Persönlichkeitsveränderungen, Suchtverhalten, Bindungsstörungen, aggressive Verhaltensmuster, selbstverletzendes Verhalten, Suizidgedanken und -versuche und Störung sexueller Funktionen bzw. Störung der Libido. Bei der Diagnose und für eine erfolgreiche Therapie einer posttraumatischen Belastungsstörung ist es sehr wichtig, eventuelle Begleitkrankheiten zu identifizeren.

 

PTSD / PTBS Behandlung: Zurückfinden ins alte Leben

Wer an einer PTSD erkrankt, erfährt womöglich viele Veränderungen in seinem Leben. Hobbies und Interessen können nicht mehr oder nur noch schwer nachgegangen werden, soziale Kontakte werden vernachlässigt oder sogar ganz vermieden und alltägliche Dinge wie Einkaufen, Auto fahren, die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen oder spät abends allein nach Hause gehen werden für Betroffene oft zur Tortur. Vermeidungsstrategien bestimmen dann den Alltag, sozialer Rückzug zerstört menschliche Beziehungen und viele Teilsymptome können die berufliche Karriere gefährden oder sogar zur Erwerbsunfähigkeit des Betroffenen führen.

Patienten, die an einer PTBS leiden, entwickeln oftmals eine komplexe Abwärtsspirale aus Hoffnungslosigkeit und Abwehrmechanismen, aus der sie nur mit professioneller Hilfe ausbrechen können. Dabei ist die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) in der Regel gut heilbar oder zumindest so weit zu lindern, dass eine angemessene Lebensqualität erreicht wird. Viele Menschen finden nach Überwindung selbst schwerer Belastungsstörungen wieder ins alte Leben zurück. Es gilt daher, bei Anzeichen einer PTSD so früh wie möglich einen Psychotherapeuten aufzusuchen, der die Erkrankung zielgerichtet behandelt.

PTSD - Frau mit roten Haaren

Zielgerichtete Diagnostik, Therapie, intensiver Austausch: Gemeinsam PTSD überwinden

Sie leiden an einer posttraumatischen Belastungsstörung oder haben die Vermutung, an einer PTSD erkrankt zu sein, auch wenn Sie sich an das vorangegangene Trauma eventuell nicht mehr erinnern können? Als Ihr erfahrener Psychotherapeut in Berlin habe ich ein offenes Ohr für Sie. Zuallererst stellen wir gemeinsam im Erstgespräch fest, welchem Problem wir uns stellen möchten. Bei einer PTBS ist es natürlich ganz wichtig, das zugrundeliegende Trauma mit Ihnen zu besprechen. Dabei müssen Sie sich mit der PTBS-Ursache selbst konfrontieren. Aber keine Sorge: Meine Erfahrung und Fachexpertise im Themenkomplex PTBS/PTSD sorgt dafür, dass Sie sich bei mir gut aufgehoben fühlen.

Ansonsten habe ich persönlich viel Erfolg mit dem Konzept der Verhaltenstherapie, weil diese ganz besonders auf das Beschwerdebild der posttraumatischen Belastungsstörung abzielt: Entstehung der Störung, Auslöser, Risikofaktoren, Symptome, Krankheitsbild, Diagnostik und Verhaltensweisen werden ebenso besprochen wie bestimmte Warnsignale und Anzeichen, die charakteristisch für eine PTSD-Erkrankung sind. Da es sich um ein Stresssyndrom handelt, sind meine Konzepte aus der Stressbewältigung sehr hilfreich. Der Patient profitiert also bei der Behandlung von traumatischen Erinnerungen von einem durchaus multidisziplinären Erfahrungsschatz.

Sie möchten zu einem persönlichen Gespräch zu mir kommen und einen Therapieplan besprechen? Sie möchten vorab Fragen zu Verfahren und Möglichkeiten oder zu meinen persönlichen psychotherapeutischen Therapieansätzen klären? Nehmen Sie gerne Kontakt auf. Wir vereinbaren daraufhin unseren persönlichen Beratungstermin - dann freue ich mich, Sie bei mir begrüßen zu dürfen.

COVID-19: AKTUELLE HINWEISE ZUR PSYCHOTHERAPEUTISCHEN VERSORGUNG:

+++Meine Praxis ist für Sie regulär geöffnet +++
Sie können Ihre Termine weiterhin wahrnehmen oder sich als Neupatient/in bei mir melden.

In der Praxis:
Ich halte die derzeitigen Hygiene-Vorgaben ein und habe Vorkehrungen getroffen, um den empfohlenen Mindestabstand zu wahren.

Online-Therapie:
In der aktuellen Ausnahmesituation biete ich Ihnen außerdem die Möglichkeit, unsere Sitzung per Video-Telefonie durchzuführen. Die Video-Sitzungen sind von der kassenärztlichen Vereinigung genehmigt und dienen dazu, die Therapie von zu Hause aus zu ermöglichen – insbesondere unter diesen herausfordernden Umständen.

Ich bin für Sie da! Online und vor Ort in der Praxis.
Falls Sie zu den oben genannten Maßnahmen Fragen haben, nehmen Sie bitte Kontakt auf.

Bitte bleiben Sie gesund!
Ihr Dipl.-Psych. Herbert Marten